Künstliche Intelligenz in Human Resources - vom Experiment zur strategischen Chance

Künstliche Intelligenz in Human Resources - vom Experiment zur strategischen Chance

Warum HR jetzt handeln muss!

Künstliche Intelligenz (KI) hält Einzug in die Arbeitswelt – und die Personalabteilungen großer Industrieunternehmen stehen vor einer entscheidenden Weichenstellung. Während einige noch ein Stück zögern, haben andere bereits erste konkrete Erfahrungen gesammelt. 

In einem aktuellen Austausch mit HR-Verantwortlichen aus verschiedenen Branchen – von Maschinenbau über Automobilzulieferung bis hin zu international agierenden Dienstleistern – wurde deutlich: Die meisten Unternehmen stecken noch in den Kinderschuhen. Nur 19 % der HR-Kernprozesse in Europa werden heute durch generative KI unterstützt, wie eine aktuelle McKinsey-Studie zeigt. Doch die Dringlichkeit ist unübersehbar. Wer jetzt nicht handelt, riskiert nicht nur, den Anschluss an den technologischen Fortschritt zu verlieren, sondern auch die Chance, HR als strategischen Partner im Unternehmen zu etablieren.

Die Stimmung unter den HR-Verantwortlichen ist gespalten. Einerseits herrscht Neugier, ja sogar Begeisterung für die Möglichkeiten, die KI bietet – sei es durch die Automatisierung repetitiver Aufgaben, die Unterstützung bei der internationalen Expansion oder die Entwicklung personalisierter Lernpfade. Andererseits gibt es Skepsis, vor allem wenn es um rechtliche Fragen, Datenschutz oder die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat geht. Eine Personalleiterin aus dem Maschinenbau berichtete etwa, wie KI ihr bei der Gründung neuer Standorte im Ausland geholfen hat, einerseits Sprachbarrieren zu überwinden und andererseits aber auch sehr rasch erste Einblicke in unbekannte Rechtssysteme der Zielländer zu gewinnen. Gleichzeitig warnte eine Kollegin aus der Chemieindustrie davor, sich blind auf KI-Verfahren in arbeitsrechtlichen Themen zu verlassen: „Man muss bei komplexen arbeitsrechtlichen Themen schon selbst mitdenken – die Antworten sind nicht immer zuverlässig auch nicht bei auf Recht spezialisierter KI.“ 

Diese Ambivalenz prägt derzeit die Debatte. Viele Unternehmen experimentieren mit Chatbots, Copilot-Lösungen oder ersten Automatisierungsprojekten im Einkauf und Recruiting, doch echte Skalierung ist noch die Ausnahme.

KI-Kompetenz als Schlüssel: Warum Schulung und Kultur entscheidend sind

Doch warum zögert HR, obwohl die Vorteile auf der Hand liegen? Ein zentrales Hindernis ist die fehlende KI-Kompetenz – nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern oft auch in den Führungsriegen. Wie ein Teilnehmer aus der IT-Branche feststellte, hängt die Qualität der KI-Ergebnisse maßgeblich davon ab, wie gut die Nutzer in der Lage sind, präzise Anfragen zu formulieren. „Wenn ich die falschen Fragen stelle, bekomme ich auch falsche Antworten“, brachte es eine der HR-Experten auf den Punkt. Hier wird deutlich, dass KI nicht einfach „eingekauft“ werden kann, sondern eine kulturelle und organisatorische Transformation erfordert.

Unternehmen, die hier erfolgreich sind, setzen auf niedrigschwellige Schulungsformate, wie etwa „Prompting-Challenges“ oder interne Communities, in denen Best Practices ausgetauscht werden. Einige gehen sind dabei, „KI-Führerscheine“ einzuführen, um ein grundlegendes Verständnis für die Technologie zu vermitteln – und damit auch rechtliche Risiken zu minimieren. Ein Personalleiter aus dem Maschinenbau erzählte, wie sein Team durch spielerische Lernformate und interne Wettbewerbe die Akzeptanz für KI gesteigert hat: „Wir haben gemerkt, dass die Angst vor der Technologie sinkt, wenn die Kollegen selbst angeleitet ausprobieren dürfen.“

Doch nicht nur die Belegschaft muss mitgenommen werden. Auch der Betriebsrat spielt eine zentrale Rolle. „In Deutschland wird KI oft als Bedrohung wahrgenommen, weil die Angst vor Überwachung und Jobverlust groß ist“, so ein HR-Verantwortlicher aus der Automobilindustrie. Deshalb sollte sich auch der Betriebsrat hier gezielt fachlich entwickeln können. Dazu helfen proaktive Schulungen und transparente Kommunikation, um Vorbehalte abzubauen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Als Personalberater sehen wir unsere Rolle darin, Unternehmen nicht nur bei der Suche nach den richtigen Führungskräften mit passendem Mindset und kulturellem Verständnis zu unterstützen, sondern auch dabei, KI als kulturelle Aufgabe zu begreifen. Denn am Ende geht es nicht nur um Technologie, sondern um die Frage: Wie gestalten wir den Wandel so, dass alle mitgenommen werden?

HR als Treiber der Transformation: Wie KI die Rolle der Personalabteilung stärkt

Besonders spannend ist die Frage, wie HR selbst zur treibenden Kraft dieser Veränderung werden kann. Bisher wird KI oft als Werkzeug der IT oder des Einkaufs wahrgenommen. Doch gerade die Personalabteilung hat die Chance, die Technologie als Hebel für strategische Ziele zu nutzen: sei es, um die Mitarbeitererfahrung mit dem Thema allgemein zu verbessern, sei es durch Qualifizierung die Optimierungs-Potentiale zu heben, oder die Fokusverschiebung von Titeln zu Skills noch mehr zu etablieren und somit auch Talente viel gezielter entwickeln zu können. Auch die eigene Position von HR im Unternehmen wird dadurch immens gestärkt. 

Ein Automobilzulieferer nutzt KI beispielsweise, um Bestellprozesse zu automatisieren – nicht, um Jobs abzubauen, sondern um überlastete Teams zu entlasten. Dazu suchte man für Pilotprojekte Bereich, die unter hohem Workload stehen. Die Botschaft an die Belegschaft lautet als Ergebnis: „Die KI übernimmt Routineaufgaben, damit ihr euch besser auf das Wesentliche konzentrieren könnt.“ Solche Projekte zeigen, dass KI nicht zwangsläufig zu Jobverlusten führt, sondern im Gegenteil neue Spielräume für wertschöpfende Tätigkeiten schafft. Ein weiteres Beispiel ist die Nutzung von KI-gestützten Chatbots im Recruiting, die nicht nur Zeit sparen, sondern auch die Candidate Experience verbessern, indem Antworten rasch, zielgerichtet und auf den von den Bewerbern jeweilig individuell privilegierten Kanälen kommuniziert werden.

Doch der Weg dorthin ist nicht immer einfach. In Deutschland bremst die enge Abstimmung mit dem Betriebsrat auch viele Initiativen aus. „Wir werden in Deutschland international oft als Bremsklotz wahrgenommen“, berichtete ein HR-Verantwortlicher aus einem internationalen Konzern. Während Standorte in China oder den USA bereits fortgeschrittene KI-Lösungen einsetzen, kämpfen deutsche HR-Abteilungen mit langwierigen Abstimmungsprozessen und der Sorge vor „gläsernen Mitarbeitern“. Hier kann externe Expertise helfen – etwa durch Change-Management-Beratung, die Brücken zwischen HR, IT und Betriebsrat schlägt.

Führung und Verantwortung: Warum KI eine Chefsache ist

Ein weiterer Knackpunkt ist die Zusammenarbeit mit dem Management. Viele Vorstände erwarten von HR, dass es agiler wird und KI als Chance begreift. Doch oft fehlt es an klaren Verantwortlichkeiten. Ist KI ein IT-Thema? Ein HR-Thema? Oder eine Querschnittsaufgabe? Die Antwort lautet: Es ist vor allem eine Führungsaufgabe. HR muss sich als Treiber der Transformation positionieren – indem es Pilotprojekte vorantreibt, Erfolge messbar macht und die Technologie nutzt, um die eigene Relevanz im Unternehmen zu steigern.

Ein Personalleiter aus der Maschinenbaubranche erzählte, wie sein Team KI einsetzt, um Führungskräfte bei den Zielvereinbarungsgesprächen mit ihren jeweiligen Mitarbeitern zu unterstützen: „Die KI schlägt SMART-formulierte Ziele vor, die eben auch messbar sind und die von der Führungskraft dann gemeinsam mit den Mitarbeitern einfach angepasst werden können. Das spart Zeit und erhöht die Qualität.“ 

Solche Beispiele zeigen, wie HR durch KI vom Verwalter zum Gestalter werden kann. Gleichzeitig darf nicht übersehen werden, dass KI auch neue Risiken mit sich bringt. Aktuell wird in den USA gegen den Softwareanbieter Workday in großen Sammelklagen geklagt, weil dessen Algorithmen angeblich diskriminierende Entscheidungen treffen. Die rechtlichen Folgen haben dort die Unternehmen, die die Software einsetzen, zu verantworten. Solche Fälle machen deutlich, dass Unternehmen regulatorische und ethische Fragen frühzeitig klären müssen. Wer KI im HR einsetzt, trägt eine besondere Verantwortung – schließlich geht es um sensible Personaldaten. Hier sind klare Richtlinien und eine enge Zusammenarbeit mit Datenschutzbeauftragten und Betriebsräten unerlässlich.

Vorschläge für praktische Schritte: Wie Unternehmen jetzt starten können

Die gute Nachricht: Es gibt keine Patentlösung, aber viele kleine Schritte, die den Einstieg erleichtern. Einige Unternehmen setzen auf „Quick Wins“ wie die Automatisierung von Stammdatenpflege oder die Nutzung von KI für interne Schulungsvideos. Andere experimentieren mit Chatbots, die Mitarbeiter bei häufigen Anfragen unterstützen – etwa zu Betriebsvereinbarungen oder Weiterbildungsmöglichkeiten.

Wichtig ist, dass HR mutig ausprobiert, ohne die Kontrolle aus der Hand zu geben. Wie eine Teilnehmerin sagte: „Wir sind alle noch in den Kinderschuhen. Aber wir müssen anfangen, sonst bleiben wir zurück.“ 

Wir als Personalberatung können diesen Prozess gut begleiten – sei es durch Executive Search, um die richtigen Führungskräfte für die KI-Ära zu finden, oder durch Change-Management, um Ängste abzubauen und Akzeptanz zu schaffen.

Unser Rat

  • Es ist wichtig, mit überschaubaren Projekten zu starten, die schnell messbare Ergebnisse liefern.
  • Die Belegschaft muss von Anfang an einbezogen werden – durch Schulungen, transparente Kommunikation und partizipative Formate.
  • Externe Expertise hilft, Fallstricke zu vermeiden und Best Practices zu übernehmen.

Unser Fazit ist deshalb: JETZT die Chance ergreifen

Die Zeit zu handeln ist jetzt. Wer als HR heute die Weichen stellt, sichert sich nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern positioniert HR als zentralen Akteur der digitalen Transformation. Die Frage ist nicht mehr, ob KI den HR-Bereich verändern wird, sondern wie schnell Unternehmen diese Chance nutzen werden.

Aus unserem Blog

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