Wie gehen wir damit um und welche Lösungen gibt es?

Corona-Folgen: Personalleiter diskutieren Maßnahmen

Corona-Folgen: Wie gehen wir damit um und welche Lösungen gibt es?

„Könnten Sie nicht mal einen kollegialen Austausch zum Thema Corona-Maßnahmen veranstalten?“ Diese Frage traf bei uns auf offene Ohren. Zunächst waren wir erstaunt, aber offensichtlich ist das Gespräch „im kleinen Kreis“ für Entscheider eine sehr effiziente Art, neue Impulse zu bekommen.

In der ersten Webkonferenz fokussierten sich die Teilnehmer dabei auf 4 Leitfragen:

  • Ist das ein Thema für mich?
  • Welche Lösungen haben wir bisher gefunden?
  • Wie zufrieden sind wir damit?
  • Wie wird sich das Problem entwickeln?

In einem außerordentlichen lebendigen Austausch kamen dabei viele gute Ansätze zusammen, die wir nachfolgend stichpunktartig wiedergeben möchten.

1. Teamspirit erhalten. In Teams, die vor Corona physisch zusammengearbeitet haben, wird es immer schwerer, den Team-Spirit auf Pre-Corona-Niveau zu halten. Welche Maßnahmen funktionieren nachhaltig?

Vor Corona gab es im Unternehmen viel Interaktion, viele Events, Feiern. Das war ein wichtiges Bindemittel.
Dort wo aktuell noch viel vom Home-Office aus gearbeitet wird, gibt es jetzt mehr Regelmeetings.  
Das Management der ersten zwei Ebenen ist wieder vor Ort wie früher. Im Unternehmen wird kommuniziert: „Der sicherste Ort der Welt“.
Tatsächlich erleben viele Personalleiter, dass die Mehrheit der Mitarbeiter wieder zurück ins Büro will.
Dann sind die Abstands- und Hygieneregeln zu beachten! Vielerorts herrscht noch Schichtbetrieb oder Teams kommen rollierend in die Firma.
Durch Mitarbeiterbefragungen werden aktuelle Themen aufgenommen, um die unterschiedlichen Bedürfnisse zu erfassen. Ganz wichtig ist es, zuzuhören und über alles zu sprechen.  
Weitere Ideen: Kaffee Calls, Achtsamkeitstrainings, Vorgesetzte müssen eher Ziele vorgegeben (täglich), loseres Führen, Eigenverantwortung, Transparenz und viel, viel Kommunikation.

Mitarbeiterbefragungen nehmen aktuelle Themen auf, fragen die unterschiedlichen Bedürfnisse ab. Es wird auch offen thematisiert, dass eine bestimmte Präsenz im Office von allen Seiten wieder gewünscht wird.
 

2. Wie und auf welchen gesetzlichen Grundlagen und Best Practices erfolgt das Management von Corona-Infektionen und das Kontaktpersonenmanagement?

Der Betriebsarzt hat aktuell viel zu tun: Nach dem Urlaub muss sich jeder testen lassen. Täglich wird abgefragt, ob jemand mit Corona zu tun hatte. Beim Betreten der Firma wird Fieber gemessen. Am Eingang liegen auch Schutzmasken (Einmalmasken) aus. Die Empfehlungen und Tipps für Unternehmen vom Robert-Koch-Institut geben eine gute Orientierung.

Bezüglich Einreiseverordnungen wird mit Aushängen informiert. Vor dem möglichen Stopp der Lohnfortzahlung nach Urlaub in gefährdete Gebiete wird gewarnt. Mitarbeiter müssen sich nach Reisen melden. Eine 24 Stunden Hotline ist geschaltet. Es sind Unternehmen bekannt, die sogar die Ausweise gesperrt haben, damit niemand unkontrolliert ins Gebäude kommt.

Meldeketten? „In Deutschland nicht erforderlich. In anderen Ländern viel strenger.“ Betriebe brauchen keine Hygienekonzepte, um weiter arbeiten zu dürfen. Viele haben die Konzepte von chinesischen Niederlassungen übernommen. “Es ist ein Märchen, dass Unternehmen Gefahr laufen, geschlossen zu werden.“

Bildung von Kontaktklassen. Beispiel Kategorie 1: Kontakt länger als 15 Minuten und ohne Maske“. Nur diese werden in Quarantäne geschickt. Der Prozess kann in EDV abgebildet werden. Erhöht das Tempo.

Konkrete Büro-Desinfektion: „Ja, vor allem als psychologisches Signal. Schmierinfektion ist ja vermutlich weniger wahrscheinlich.“

Fahrgemeinschaften und Raucherecken auflösen, Bürogemeinschaft mit Partnern bilden, Ersatzbusse organisieren.

Aktuell kommen Infektion eher aus dem privaten Umfeld. Die Daten werden ausschließlich an das Gesundheitsamt übergeben.
 

3. Wie sehen Rückkehr-Konzepte aus?

Während es zu Beginn der Pandemie eher wichtig war, dass Geschäftsführer in ihrer Vorbildfunktion auch Homeoffice gemacht haben, damit sich die Mitarbeiter ebenfalls trauten und wussten, nicht nicht als "Drückeberger" zu gelten, gehen jetzt einige Führungskräfte wieder bewusster und deutlich sichtbar regelmäßig in ihr Unternehmen. Viele hören auch von Mitarbeitern den deutlichen Wunsch wieder ins Büro zu kommen.

Im Gespräch lässt sich gut vermitteln, dass „jeder, der nicht begründete Sorge hat, weil er zu Risikogruppen gehört, wieder zur Arbeit gehen kann. “Dabei sind natürlich Sicherheitsvorschriften unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der Politik zu berücksichtigen." 

Aus Sicherheitsgründen (mindestens ebenso wichtig wie die Ansteckung ist die Sorge vor Produktionsausfall) werden Teams und Schichten noch vollständig getrennt gefahren. Die Notwendigkeit dazu wird von Monat zu Monat besprochen. Keine Bevormundung! Teamleiter sollen mit den Kollegen gemeinsam entscheiden wie sie sich organisieren. Oft sind dabei viele Stimmungen unter einen Hut zu bringen. Nach Möglichkeit sind die Mitglieder eines Teams aber gleichzeitig im Büro. Natürlich ist das abhängig von Abstandskapazitäten.

Ein Personalleiter fragt kritisch seine Teamleiter: „Zuerst war Home-Office super und dann sollen alle möglichst schnell wieder ins Büro kommen? Was ist denn nun richtig?“ Virtuelles Führen überfordert mancherorts. Arbeitskontrolle fällt leichter, wenn die Kollegen vor Ort sind. Führen durch Ziele und Vertrauen fällt manchem schwer.

Einige Unternehmen veranstalten dazu Workshops mit Mitarbeitern. Parallel werden die Mitarbeiter befragt, wie es ihnen eigentlich im Home-Office ergangen ist und wie sie sich Arbeit in Zukunft vorstellen.
 

4. Wie erhält man die Identifikation mit dem Arbeitgeber? Das Büro als Kulturtankstelle? Was ist das „New Normal“?

Für manche gilt „New Normal“ als Unwort. Möglicherweise ist es die Sorge, dass damit suggeriert wird, es würde jemals wieder einen stabilen Zustand geben. Im Umgang mit dem Betriebsrat kann die Aufforderung helfen, diese oft noch unregulierten Veränderungen / Bewegungen auszuhalten und abzuwarten, was sich bewährt und Bestand hat. Weitere Befragungen bringen Aufschluss, was die Mitarbeiter wollen.

Der Begriff des „Home-Office“ als offiziellem Arbeitsplatz macht u.a. Arbeitsplatzbegehungen und Gefährdungsanalyse notwendig. Durch kurze Formblatt-Abfragen können Arbeitgeber erfahren, wie es bei ihren Mitarbeitern tatsächlich zu Hause aussieht. Es besteht entgegen verbreiteter Ansicht nicht die Pflicht, Home-Office-Arbeitsplätze für die Mitarbeiter auszustatten.

Die Corona-Krise verändert zusehends die Einstellungen zum Thema Homeoffice: Wenn vor Corona einige Unternehmen und Führungskräfte mit Mühe 6 Tage Home-Office erlaubten, so wird nun oftmals gefordert, diese Regelung noch viel großzügiger zu machen. Allgemein wird von Mitarbeitern und Geschäftsleitung erwartet, dass für ein Unternehmen möglichst einheitliche Regel gefunden werden.

 

Aus unserem Blog

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